"Kultiviert das Gute!" - Lebenskunst aus spiritueller Sicht

 

Der Kopf ist rund

Da jeder Mensch aus seinem eigenen Erfahrungsschatz schöpft und unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der höheren Wirklichkeit hat, ist Spiritualität immer auch individuell geprägt. Und das ist auch gut so, ist sich doch jeder Mensch selbst Weg und Ziel. Dogmen hingegen sind starre und deswegen lebensfremde Meinungen, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt. Dogmen sperren uns in einen Käfig ein und schließen die Vielfalt des Lebens aus. Deshalb ist es klug, sich eine Grundhaltung zueigen zu machen, wie sie z.B. die Bibel empfiehlt: „Prüfet alles, und das Gute behaltet“ (1. Thess. 5), denn „der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“ (Francis Picabia).

Lebenskunst

Der Begriff „Lebenskunst“ (lat. „ars vivendi“) stammt aus der Philosophie und findet in verschiedenen Zusammenhängen in bezug auf die Daseinsbewältigung eines Individuums Verwendung. Bevor wir uns der Kunst,  das Beste aus unserem Leben zu machen, zuwenden, müssen wir jedoch zunächst einmal das Umfeld klären.

Rahmenbedingungen

Hinter allem Leben, allen Energien und Materien, sämtlichen Phänomenen des Lebens steht die eine geistige Quelle, Gott oder Sonnenlogos genannt. Vorstellen können wir uns den Architekten unseres Universums als einen universellen, unendlichen, lebendigen, schöpferischen Geist.  Alles,  was  ER  hervorgebracht hat, ist IHM wesensgleich. Unterschiedlich sind hingegen die erreichten Entwicklungsstadien der an der Evolution beteiligten Lebensquanten. Allen inne wohnt der göttliche Auftrag, ihr geistiges Potential zu entfalten und sich zu immer höheren geistigen Höhen zu entwickeln.

Krone der Schöpfung?

Wir Menschen sind keineswegs die Krone der Schöpfung, sondern Glied im Mittelfeld einer Evolutionskette. Bevor wir uns individualisierten  und  damit  unsere  menschliche  Laufbahn  begannen, hatten wir bereits einen äonenlangen Weg durch die unteren drei Naturreiche zurückgelegt. Lebensquanten, die das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich beseelen, gehören zu Gruppenseelen, d.h. aus einer gemeinsamen Seele (Deva) gehen verschiedene Gattungsvertreter hervor. Vom Standpunkt der göttlichen Quelle aus betrachtet hat ein Grashalm am Wegesrand, ein Rind auf der Weide oder ein Mensch dieselbe Bedeutung. Das Universum wertet nicht, d.h. alles ist an seinem Platz gleich wichtig und folgt dem vorgegebenen Evolutionsplan.

Zu Individuen entwickelten wir Menschen uns, indem sich durch eine mentale „Sonderleistung“ (diesbezüglich gibt es viele Möglichkeiten) unser Quantum Lebensessenz von einer tierischen Gruppenseele abspaltete. Aus der göttlichen Quelle kam ein Strahl hinzu, und der menschliche Kausalkörper bildete sich.

Ego und Person

Wir Menschen haben keine unsterbliche Seele – nachfolgend Ego (lat. = „Ich“) oder Höheres Selbst genannt,  sondern    sind eine solche! Unser bei der Individualisierung entstandener Kausalkörper fungiert als „Sammelbehälter“ für sämtliche unsererseits zu erwerbenden unsterblichen Eigenschaften, solcher also, die dem göttlichen Vorbild entsprechen.

Das Ego – also der wahre Mensch – bildet für seine Inkarnationen auf der Erde jeweils eine sterbliche Person (lat. „personare“ = „hindurchklingen“) aus, die aus folgenden vier Bewusstseinsträgern oder Körpern besteht (von oben nach unten):

  • Mentalkörper – der Sitz unseres Verstandes und Denkvermögens, unser höchstes Werkzeug
  • Astralkörper – der Sitz unseres Gefühlslebens und unserer Gemütsbewegungen
  • Ätherkörper – der Sitz unseres Temperaments und unserer Vitalität (auch „Gesundheitsaura“ genannt)
  • physischer Körper – der einzige mittels unserer fünf Sinne erfassbare

 

Zusammengenommen bezeichnen wir das menschliche Energiefeld (die Ausstrahlungen von Mental-, Astral- und Ätherkörper, die sich von der Schwingungsfrequenz her unterscheiden und durchdringen) als unsere Aura.

„Baumarkt“ Universum

Die göttliche Quelle können wir uns mit drei aktiven Polen vorstellen. Unablässig werden Energien veräußert, die, je weiter sie sich von ihrem Ausgangspunkt entfernen, unterhalb der rein geistigen  Ebenen z.B.  zu materiellen Welten gerinnen.  „Die der Welt hat nicht ein für allemal stattgefunden, sie findet unabwendbar alle Tage wieder statt“ (Marcel Proust).

Fortwährend sinkt „Lebensessenz“ in immer tiefere Welten der Schöpfung hinein (Involution), um dabei Erfahrungen zu machen, sich zu qualifizieren und am Wendepunkt „Mineralreich“ dereinst selbst ihren Aufstieg (Evolution) zu beginnen.

Schickt sich unser Ego erneut an,  die irdische Lebensbühne zu betreten, so wird dafür ein vierfältiges Kostüm (Person) benötigt. "Gewebt" werden Mental- und Astralkörper aus mentaler bzw. astraler Elementaressenz, unser ätherischer und grob-physischer Körper aus Baustoffen des ätherischen bzw. physischen Bereichs (siehe Grafik).

Grob oder fein?

Genau wie z.B. bei Kies aus dem irdischen Baumarkt gibt es gröbere und feinere mentale und astrale „Baustoffe“ (Elementaressenz). Der diesbezüglichen Auswahl liegt jedoch keinerlei Willkür zugrunde, sondern die aus der Vorinkarnation gespeicherten Informationen bestimmen die Beschaffenheit des sterblichen Kostüms.

Gemäß ihrem Involutionsauftrag qualifiziert sich mentale und astrale Elementaressenz dadurch, dass sie im Verbund eines Körpergefüges Erfahrungen macht. Bewegt und erregt wird sie durch das Gedanken- und Gefühlsleben des Körperbesitzers (Ego), den sie durch ihre Eigendynamik wiederum zu einem noch intensiveren Gedanken- und Emotionalleben stimuliert. Aufgabe des Egos ist es, die Körper seiner Person immer mehr unter seine Herrschaft zu bringen, so dass das geistige Potential des Menschen  seine Person immer mehr durchlichten kann.  Im übertragenen Sinne geht es darum, dass nicht länger das Pferd (die Person) den Weg bestimmt, sondern der Reiter (das Ego). Dieser Konflikt zwischen Ego und Person muss über Inkarnationen hinweg ausgefochten werden. Während einer Lebensspanne ist es jedoch durch Charakterbildung und Meditation möglich, gröbere durch feinere Elementarpartikel zu ersetzen. Die gröberen gehen nicht verloren, sondern werden z.B. für den Aufbau tierischer feinstofflicher Körper herangezogen.

Speichermedium „Permanentes Atom“

Die Informationsspeicherung hinsichtlich der Beschaffenheit der einzelnen Bewusstseinsträger der Person am Ende einer Inkarnation erfolgt mittels der sogenannten  „permanenten Atome“, von denen je eines seinen Sitz im Mental-, Astral- und Ätherkörper hat (siehe blaue Punkte in der Grafik oben) und für seinen jeweiligen Bereich eine Art „Chef“ darstellt. Diese permanenten Atome können wir uns so ähnlich vorstellen wie kleine Festplatten oder USB-Sticks der modernen Computertechnik. Beim Sterbevorgang, d.h. dem Lösen des Egos von seiner Person nach dem Riss der Schwingungsbrücke oder des „Lebensfadens“ zwischen Ego und Person, werden sämtliche während der auslaufenden Inkarnation in den verschiedenen Bewusstseinsträgern gemachten Erfahrungen in die permanenten Atome „überspielt“ und somit für Folgeinkarnationen konserviert. Steht die nächste Inkarnation an, so erfolgt der  Aufbau einer neuen Person gemäß den in den permanenten Atomen gespeicherten Informationen.

Bogen und Pfeil

Von unseren Eltern erben wir lediglich physische/ätherische Merkmale, also alles, was zu unserer physischen Erscheinung und unserem Temperaments- und Vitalitätsbereich gehört. Die vier ätherischen Unterebenen – dort ist unser Ätherkörper angesiedelt - gehören zum Bereich der Physis.  Unsere mentalen und emotionalen Anlagen, Gaben und Talente, Errungenschaften und Schwächen werden uns  nicht  von  unseren  Eltern  vererbt,  sondern  wir  vererben sie uns selbst von einer Inkarnation zur nächsten. Musikalisches Talent z.B. besitzen wir nicht, weil unsere Eltern musikalisch sind, sondern weil wir in Vorinkarnationen bereits auf diesem Gebiet tätig waren. Musikbegabte Eltern wählen wir ggf. deshalb, damit wir bestenfalls unser Talent in einem verständnisvollen Umfeld weiterentwickeln können. Auf jeden Fall sind wir jeweils selbst Bogen und Sehne, von der der Informationspfeil in die Folgeinkarnation schnellt.

Werkstück und Werkzeug

Jedes menschliche Individuum begann seine Laufbahn im übertragenen Sinne als Rohdiamant. Bewusstsein entsteht durch „Reibung“, d.h. Auseinandersetzung mit Materien der verschiedenen Ebenen menschlichen Bemühens (Denken, Fühlen und Handeln). Sinn jeder Inkarnation ist, den Verfeinerungsprozess fortzusetzen, den mitgebrachten Lebensauftrag (Dharma) zu erfüllen und die nächste Etappe auf dem  Evolutionsweg zu absolvieren. Auf diese Art und Weise formt sich unser Charakter immer mehr aus und veredelt sich. Wir sind also Werkstück (Rohdiamant) und Werkzeug (derjenige, der den Edelstein  schleift) zugleich. Im Laufe vieler Inkarnationen entfaltet sich unser geistiges Potential immer mehr, bis wir schließlich mit dem Erreichen der menschlichen Vollkommenheit als funkelnder Brillant mit allen Facetten das göttliche Licht widerspiegeln.

Freier Wille

Als vernunftbegabte Wesen verfügen wir Menschen über einen freien Willen. Einher damit geht jedoch auch die gesamte Bandbreite möglicher Fehlentscheidungen bzw. möglichen Fehlverhaltens im Denken, Fühlen und Handeln. Fehlverhalten legen wir immer dann an den Tag, wenn wir gegen die regelnden Naturgesetze verstoßen. Den Folgen davon können wir auf unserem Lebensweg nicht ausweichen, nur für die Zukunft  bessere Ursachen legen.

Gedanken sind Kräfte!

Unser größtes schöpferisches Potential sind unsere Gedanken! Jedem Werk, jeder Ausführung von was auch immer geht eine Idee voraus. Gedanken sind Energie! Energie als solche ist zunächst einmal wertfrei. Erst unser jeweiliges Motiv gibt ihr eine positive (analog den Naturgesetzen) oder negative (gegen die Naturgesetze) Ausrichtung. Als Schöpfer unserer Gedanken- und Gefühlswelt sind wir verantwortlich für unsere „Geschöpfe“ und das, was sie bewirken – in uns selbst, bei jenen, denen sie gelten bzw. generell in unserem Umfeld. Gedanken modifizieren nicht nur unsere eigenen feinstofflichen Körper in Form und Farbe, sondern auch unsere Umgebung. Gedanken sind hochgradig ansteckend!

Energie folgt der Aufmerksamkeit!

Dinge und Verhaltensweisen, die wir für uns als überholt erkennen, sollten wir niemals bekämpfen! Energie folgt der Aufmerksamkeit, so dass wir das Abzulegende durch Konzentration darauf stärken würden. Effektiver ist, alle Energie vom Überholten abzuziehen und sich auf das erwünschte Neue zu konzentrieren. Dabei stärken wir das Neue und entwachsen mühelos dem Überholten.

Unternehmen Universum

Stellen wir uns eine gut geführte Firma vor: der Chef gibt Plan, Struktur, Verfahrensweise und Ziel vor. Vom Ressortleiter bis hinunter zum Azubi hört alles auf sein Kommando – falls nicht, hat das ggf. empfindliche Folgen. Unser Universum als Ausdruck Gottes oder des Sonnenlogos ist genau so hierarchisch aufgebaut wie eine gut aufgestellte Firma. Ähnlich einer Firma werden auch im Universum Aufgaben delegiert. In der göttlichen Führungsriege haben allerdings nur solche Wesen Ämter inne, deren geistiger Reifegrad sie dazu befähigt. Ungerechtigkeiten, Protektion oder „Vitamin B“ existieren lediglich unter uns Menschen, nicht jedoch im Stabe des Sonnenlogos.

Mit anderen Worten: in unserem Universum gelten einzig und allein Gesetz und Plan seines göttlichen Urhebers!

Karma – das Gesetz von Ursache und Wirkung

Jeder Organismus – und auch unser Universum ist ein solcher – folgt den ihm zugrundeliegenden Regeln und Gesetzen, die sowohl in den höchsten geistigen als auch niedersten materiellen Ebenen gelten und Fortbestand und Erfolg in Gestalt von Entwicklung sichern. Angewiesen ist ein solches aus menschlicher Warte kompliziertes System wie ein Universum darauf, dass es in Balance gehalten wird, d.h. auf jede Aktion eines der am Spiel des Lebens Beteiligten erfolgt unweigerlich eine Reaktion. Das ist Gesetz!

Karma wird häufig fälschlicherweise mit „Strafe“ gleichgesetzt. Das ist ein Irrtum, denn Karma (Sanskr. = „Tat“) ist vom Begriff her wertfrei. Seine Auswirkung kann aber trotzdem positiver oder auch negativer Art sein. Letztendlich bzw. auf längere Sicht betrachtet erweist sich aber auch negatives Karma immer als positiv, hilft es doch dem Betreffenden, „ganz“ oder „heil“ zu werden.

Für uns Menschen bedeutet das Gesetz von Ursache und Wirkung, dass wir frei sind im Setzen von Ursachen. Die Folgen einmal gesetzter Ursachen – egal, ob das in der gegenwärtigen oder in vergangenen Inkarnationen der Fall war – holen uns jedoch unweigerlich ein. Hinsichtlich einmal gesetzter Ursachen sind wir also unfrei.  

Mit den karmischen Folgen unseres Denkens, Fühlens und Handels können wir entweder unmittelbar oder auch später bzw. in Folgeinkarnationen konfrontiert werden. Im Volksmund ist das Karma-Prinzip bekannt als „was du säst, das wirst du ernten“.

Webstuhl des Lebens

Jeder Mensch webt analog dem Gesetz von Ursache und Wirkung am „Webstuhl des Lebens“ sein eigenes Schicksal aus selbstproduzierten „Fäden“. Diese Fäden wiederum spinnt der Mensch selbst in den Bereichen seines Denkens, Fühlens und Handels. Unter seine eigenen Fäden mischt er diejenigen anderer Menschen oder Mitgeschöpfe, mit denen er in Beziehung steht – ob mental, emotional oder physisch. So entsteht sein individuelles Lebensmuster mit vielen Schönheiten (Übereinstimmung mit dem göttlichen Plan), aber auch mit Knoten und – aus Sicht des Universums – Webfehlern. Das Produkt seiner Webertätigkeit ist/wird für den Menschen sein persönliches Schicksal und bestimmt seine Zukunft.

Schicksal

Was immer in unseren Lebensweg kommt, haben wir durch vorausgehendes Denken, Fühlen und Handeln angezogen oder gerufen. Es begegnet uns, damit wir entweder ernten, was wir an Gutem säten, oder im Falle eines Verstoßes gegen die Naturgesetze wiedergutmachen, d.h. den Ausgleich schaffen können. Alle damit im Zusammenhang stehenden Erfahrungen bringen uns Wachstum. Dem ausgleichenden, absolut gerechten  Gesetz  von  Ursache  und  Wirkung können wir nicht ausweichen.  Jedoch können wir unsere Zukunft positiv gestalten, indem wir weitere Verstöße gegen die Naturgesetze vermeiden. Der Begriff „Schicksal“ setzt sich aus den Wörtern „schicken“ und „salus“ (lat. = „Heil“) zusammen, bedeutet also „geschicktes Heil“. Als genau das erweist sich Schicksal aus höherer Warte betrachtet letztendlich immer.

Zufall?

Viele Dinge, Erfahrungen, Erlebnisse, Begegnungen werden als „Zufall“ gewertet. Zufall ist jedoch lediglich ein Synonym für ein geistiges Gesetz, dessen Wirkweise sich uns noch nicht ganz erschlossen hat. Mit anderen Worten: es gibt keinen Zufall im Universum – oder anders ausgedrückt: es fällt uns immer genau das zu, was uns zufallen soll. Denn Gesetz ist: Alles, was geschehen oder sich treffen soll, geschieht oder trifft sich zu genau der richtigen Stunde am genau richtigen Ort!

Geben und Nehmen

Jedes Lebensquantum hat auf der Skala der Evolution weiterentwickelte Lebensquanten über sich und weniger entwickelte unter sich stehen. Gesetz ist, dass von oben empfangen und nach unten weitergegeben wird. „Nach unten“ bedeutet im Falle des Menschen insbesondere auch das Tierreich, denn Tiere sind unsere jüngeren Geschwister.

Bemühen wir uns um Charakterbildung und eine ethische Lebensweise, zu der auch vegetarische Ernährung gehört - schließlich gilt der physische Körper zu recht als „Tempel der Seele“ - so werden wir feststellen, dass uns „von oben“ verstärkt Kräfte zufließen. Unsere Aufgabe besteht darin, mit solchen Kräften sinnvoll umzugehen, sie im Sinne der Evolution zu handhaben und uns immer mehr zu verfeinern oder zu vergeistigen.

Ethik

Ethik ist nichts Abgehobenes, sondern beschäftigt sich mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen. „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die zu zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“,  lautet im  philosophischen System  Immanuel Kants das der Ethik zugrundeliegende Prinzip, auch als „kategorischer Imperativ“ bezeichnet. Der Volksmund findet auch hierfür wieder eine treffende Formulierung: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“.

Ein nach ethischen Gesichtspunkten ausgerichtetes Leben bedeutet leben nach den Naturgesetzen, die in unserem Universum sowohl „ganz oben“ (in den geistigen Welten) als auch „ganz unten“ (an der Peripherie der Schöpfung) gelten. Die Naturgesetze sind unfehlbar und gerecht. Auf die Frage, warum wir ggf. karmische Auswirkungen von Geschehen, das uns missfällt oder ungerecht erscheint, nicht unmittelbar erleben, weiß wiederum der Volksmund die Antwort: „Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein“. Grundsätzlich geschieht eben definitiv alles genau zur rechten Zeit am rechten Ort.

„Was der Zeit unterworfen ist, das gebrauche.“

Als spirituell orientierte Menschen verstehen wir unter Lebenskunst naturgemäß etwas völlig anderes als z.B. der Durchschnittsbürger, der sich mit seinem physischen Körper identifiziert und sich um die Befriedigung seiner persönlichen Bedürfnisse sorgt. Er will das nach seinem Verständnis Beste aus einem möglichst langen Leben herausholen. Geht er doch davon aus, dass er seinen physischen Tod nicht überleben wird.

Wir wollen gleichfalls unsere Zeit auf Erden nutzen. Uns geht es jedoch vor allem um Wissen, Erkenntnis und Entfaltung. Auf die Erde kamen wir erneut,  um unseren mitgebrachten Lebensauftrag (Dharma) zu erfüllen, eine weitere Teilstrecke auf unserem Evolutionsweg zu absolvieren, indem wir uns weiterentwickeln,  und uns damit gleichzeitig für höhere Aufgaben zu qualifizieren.

Es ist völlig in Ordnung, alles, was uns zur Verfügung steht, zu nutzen, egal, ob es sich um materielle Güter oder Fähigkeiten, Gaben und Talente handelt. Entscheidend ist jeweils unser Motiv! Was gegen die Naturgesetze verstößt, sollten wir schon im eigenen Interesse unterlassen. Viele Gesetzmäßigkeiten können wir von der Ökonomie der Natur ablesen; die Natur findet immer die perfekte Lösung und ist diesbezüglich nicht zu überbieten.

„Was ewig ist, danach strebe.“

Von allergrößter Bedeutung auf dem geistigen Wege ist ein einfaches, ehrliches, achtsames, verantwortungsvolles Leben, das die Interessen anderer Menschen bzw. Mitgeschöpfe mit einbezieht. Verantwortlich sind wir grundsätzlich für alles, was wir tun, jedoch auch für dasjenige, das wir nicht tun! Hinsichtlich einer bejahenden, beschützenden, achtsamen und respektvollen Lebensweise geht es keinesfalls um religiöse Regeln, sondern um ein Leben im Einklang mit den Natur- oder Lebensgesetzen. Ethisches Verhalten ist auch im Eigeninteresse wichtig, d.h. um uns selbst zu schützen, denn unethisches Leben, solches also, das gegen die Naturgesetze verstößt, schädigt nicht nur andere, sondern fällt auf uns selbst negativ zurück.

„Schätze im Himmel“

Jene Schätze, mit denen wir unseren Kausalkörper immer mehr auffüllen (auf hoher Entwicklungsstufe legen wir auch diesen Körper ab und sein Inhalt kommt der gesamten Schöpfung zugute),  sind unsterblicher Natur, weil sie dem göttlichen Vorbild entsprechen. Die Bibel empfiehlt uns diesbezüglich: „Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt. 6.20-21).

Solche „Schätze“ resultieren aus:

  • ethischer Lebensführung / Moral - wozu auch gehört, nicht absichtlich zu töten oder zu verletzen (vegetarische bzw. vegane Ernährung), Bescheidenheit (der wahre Künstler z.B. tritt hinter sein Werk zurück) und nichts zu nehmen, das uns nicht gehört (alles, was uns gehört, fließt uns ohnehin zu)
  • geistiger Disziplin / Meditation  - hierzu gehören die Kontrolle unserer Gedanken und unseres Gefühlslebens sowie vergeistigende Übungen wie Meditation 
  • Wissen / Weisheit Wissen sammeln wir mittels unseres Verstandes. An die göttliche Wirklichkeit reicht unser Verstand jedoch nicht heran, dafür benötigen wir Weisheit; Weisheit erwerben wir mittels unserer Erfahrungen.

Die vier Grundlagen der spirituellen Kraft sind:

Liebende Güte (Wohltätigkeit), Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut.

 

Orientierung

Suchen wir Orientierung hinsichtlich unserer spirituellen Entfaltung, so finden wir im Buddhismus wertvolle Erkenntnisse und Lebensregeln:

 Die Vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus:

  1. Die Existenz des Leidens: Alles Leben ist Leiden
  2. Die Ursache des Leidens: Alles Leiden hat seine Ursache in den Begierden, dem „Durst“
  3. Die Aufhebung des Leidens: Die Aufhebung der Begierden führt zum Aufheben des Leidens, zur Durchbrechung der Kette der Reinkarnationen
  4. Der Pfad, der zur Aufhebung des Leidens führt: Der Weg zur Befreiung ist „Der edle achtfache Pfad“.

 

Der Edle Achtfache Pfad

1. Rechte Erkenntnis - ist die Einsicht in die Vier Edlen Wahrheiten vom Leiden, der Leidensentstehung, der Leidenserlöschung und des zur Leidenserlöschung führenden Achtfachen Edlen Pfades. Zur rechten Erkenntnis gehört auch die Einsicht in

  • das Gesetz vom bedingten Entstehen, das die Ursachen des Inkarnationskreislaufs (Samsara) und dessen Überwindung (Nirvana) aus buddhistischer Sicht erklärt
  • die drei Daseinsmerkmale Unbeständigkeit, Leidhaftigkeit und Nicht-Selbst, denen alle physischen und psychischen Phänomene unterworfen sind
  • das Karma-Prinzip, das zwischen heilsamen und unheilsamen Willenshandlungen unterscheidet.

2. Rechte Gesinnung - ist der Entschluss zur Entsagung, zum Nichtschädigen, zur Enthaltung von Groll. Rechtes Denken kennt keine Habgier, keinen Hass in der Gesinnung und ist großzügig. Im erweiterten Sinne gehört zu diesem Punkt auch die Aufforderung, ständig die eigene Gedankenwelt zu prüfen. Hegen wir einen heilsamen Gedanken, der uns und anderen Wohl beschert, oder einen unheilsamen, der uns und anderen Leiden bringt?

3. Rechte Rede - vermeidet Lüge, Verleugnung, Beleidigung und Geschwätz. Gleich unseren Gedanken ist unsere Rede heilsam oder unheilsam, nützlich oder unnützlich, wahr oder falsch. Ein „Wort des guten Wandels“ ist dann gegeben, wenn es zur rechten Zeit gesprochen wird, wenn es wahr, höflich, zweckmäßig ist und seinen Ursprung in liebevoller Gesinnung nimmt.

4. Rechtes Handeln - vermeidet Töten, Stehlen und sinnliche Ausschweifungen. Im erweiterten Sinne bedeutet es ein Leben gemäß den folgenden fünf Tugenden: Nicht töten, nicht stehlen, keine sexuellen Verfehlungen, nicht lügen, keine Drogen.

5. Rechter Lebenswandel - bedeutet, auf unrechten Lebenswandel zu verzichten. Folgende Tätigkeiten erzeugen Leid: Handel mit Waffen, Lebewesen, Fleisch (Tierzucht), Rauschmitteln und Giften. Rechter Lebenswandel bzw. Lebenserwerb bedeutet, einen Beruf auszuüben, der anderen Lebewesen nicht schadet.

6. Rechtes Streben bzw. Einstellung bedeutet den Willen, Affekte wie Begierde, Hass, Zorn, Ablehnung etc. bei Wahrnehmungen und im Falle des Erlebens zu kontrollieren und zu zügeln. Wie beim rechten Denken geht es hier um das Prüfen der eigenen Gedanken bzw. das Austauschen unheilsamer Gedanken durch heilsame

7. Rechte Achtsamkeit - betrifft zunächst den physischen Körper: Bewusstwerdung aller körperlichen Funktionen wie Atmen, Gehen, Stehen etc. Bewusstwerdung gegenüber allen Sinnesreizen, Affekten und Denkinhalten.  Achtsamkeit hinsichtlich des Innern prüft die Geistesregungen und benennt sie. Es  geht um ein Bewusstwerden des ständigen Flusses der Gefühle und der Bewusstheitszustände. Achtsamkeit bezogen auf das „Äußere“ bewirkt, ganz im Hier und Jetzt zu sein, weder über die Vergangenheit nachzugrübeln noch in der Zukunft zu schwelgen. Das bedeutet auch,  jeweils ganz bei einer Person, einem Gespräch oder Sache zu sein, mit der wir konfrontiert sind.

8. Rechte Sammlung - bezeichnet die Fertigkeit, den unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren, also  höchste Konzentration. Ein effektives Mittel hierfür ist die Meditation, wodurch der Geist von Gedanken befreit wird und zur Ruhe kommt.

 

Wahre Lebenskunst gründet sich auf Ethik. Ethik ist Ausdruck unserer inneren Weisheit. Für unsere spirituelle Praxis hat ethisches Verhalten in etwa dieselbe Bedeutung wie ein nährstoffreicher Boden ohne Schadstoffe für eine gesunde, ertragreiche Landwirtschaft. 

 „Gebt auf, was unheilsam ist! Kultiviert das Gute!“

Siddhartha Gautama Buddha (563 – 483 v.d.Z.)


"Was der Zeit unterworfen ist, das gebrauche,

was ewig ist, danach strebe."

Thomas a Kempis (ca. 1380 - 1471)



Dieser Text steht als Heft (Din-A-4 quer, vier Seiten doppelseitig bedruckt) eingerichtet zum Download bereit (siehe Downloads).

 

 

 

 

 

 

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