Neueinsicht


 

Ein Grashalm, einer unter vielen,

war grün vor Neid schier angesichts

des Baums, sah Lüfte mit ihm spielen,

auf dessen Laub den Tanz des  Lichts.

 

Bis schließlich er zu fragen wagte,

von Groll erfüllt, verging viel Zeit.

Der Baum, der alles überragte,

gab willig Auskunft und Bescheid:

 

Einst bin auch ich ein Halm gewesen,

geschüttelt oft, von Wind gebeugt,

ich lernte aus den Zeichen lesen,

wovon manch eine Narbe zeugt!

 

Zwar bin ich stark, auf Kraft gegründet,

und dennoch kenn’ auch ich die Angst:

Der Blitzstrahl! Wehe, wenn er zündet!

Weh, wenn, dass Sturm dich fällt, du bangst!

 

Das Leben ist ein Abenteuer

Und oftmals schmerzhaft sein Verlauf.

Du hast es gut, dich sucht kein Feuer,

knickt dich ein Schritt, stehst neu du auf.

 

Sieh dort der Sonne leuchtend Scheibe,

wie übers Firmament sie zieht!

Sie strahlt und gibt mit ihrem Leibe

gleich jedem, ohne Unterschied!


 

Der Halm, zur Neueinsicht berufen,

wuchs Zentimeter, unbeschwert:

Ob Gras, ob Baum – all das sind Stufen,

und jede ist von gleichem Wert!

 

hh

Fotos: hh

 

 

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